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Das Tourtagebuch von
Das Vollplaybacktheater


I saw the sign!

14.05.07 Erlangen

Ich möchte heute die Antwort auf eine Frage enthüllen, die sich sicherlich viele von euch schon oft gestellt haben:
Neben all den großartigen Inszenierungsideen, den rasend schnellen Umzügen auf und hinter der Bühne, der atemberaubenden Licht- und Tontechnik - wie schafft es das Vollplaybacktheater zwischen den Szenen, in nahezu völliger Dunkelheit und unbemerkt vom noch so aufmerksamen Publikum, Requisiten und Kulissenteile immer wieder an der exakt richtigen Stelle zu postieren, so dass beim erneuten Aufleuchten der Bühnenscheinwerfer auch alles an seinem richtigen Platz steht? Ich kann euch verraten, mit Theaterproben und Übung kann man auf der Bühne viel erreichen, aber in diesem Fall ist das VPT auf die Hilfe einer höheren Macht angewiesen. Und die kommt in Gestalt von ZEICHEN-MACHEN-MAN jeden Tag gegen 18 Uhr an den Ort des Geschehens, um uns zu retten. Der ZEICHEN-MACHEN-MAN ist einer der letzten großen Superhelden unserer Zeit. Bewaffnet mit schwarzem und weißem Gaffer-Klebeband taucht er immer da auf, wo Menschen seine Hilfe nötig haben und klebt Zeichen und Richtungspfeile für eine bessere Welt.

So, und jetzt haltet euch fest. Exklusiv und nur für die Fans des VPT hat ZEICHEN-MACHEN-MAN sich zu einem seiner seltenen und begehrten Exklusiv-Interviews mit mir bereit erklärt!

Etwas nervös sitze ich in einer Garderobe des Theaters. Zwar wird dies nicht die erste Begegnung mit dem Superhelden sein, aber ihm so von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu sitzen ist dann doch etwas anderes, als seine schnellen und geschmeidigen Bewegungen beim Aufbau auf der Bühne zu beobachten. Dann plötzlich öffnet sich die Tür, und er steht leibhaftig vor mir. Höflich fragt er, ob er hier richtig ist und ich bitte ihn hinein.
Zeichen-Machen-Man ZEICHEN-MACHEN-MAN trägt seine bekannte schwarze Maske, ein ordentlich gestutzter Schnurrbart ziert sein edles Gesicht. Über seinen muskulösen Körper spannt sich das berühmte dunkelblaue Dress mit den in unschuldigem Weiß übereinander geklebten Initialen ZMM.
Mein Angebot sich zu setzen lehnt er zunächst höflich dankend ab, mit dem Hinweis er müsse stets bereit sein, wenn jemand ihn um Hilfe riefe. Später setzt er sich dann doch, allerdings wirkt er selbst etwas nervös und unruhig, und ich merke: Das Leben als Superheld hat seine Spuren hinterlassen.

VPTourtagebuch 07: Lieber ZEICHEN-MACHEN-MAN, wo kommst du gerade her?

ZMM: Ich bin soeben von einer Sonderschicht aus New York zurückgekehrt. Nach einer Schießerei war es nötig geworden, um die Leichen weiße Konturen zu zeichnen, um der Polizei ihre Arbeit zu erleichtern.

VPT: Kannst du uns etwas zu den Anfängen, der Geburt des ZEICHEN-MACHEN-MAN sagen? Wie bist du zum Superhelden geworden?

ZMM: Nun, eines meiner ersten Zeichen war der Brennende Dornbusch, zu dem mir Gott selbst den Auftrag gegeben hatte. Ich bin aber nicht nur im Auftrag des Herrn unterwegs, sondern für alle, die Hilfe brauchen. Ähnlich wie die Fische, die mit diesem Nervending an den Seiten die Bewegungen des Wassers registrieren spüre ich es einfach, wenn jemand meine Hilfe braucht. Allerdings kann man mich auch auf andere Weise kontaktieren. Rufen hilft!

VPT: Du also hast einen direkten Draht zu Gott?

ZMM: Ich kenne ihn zwar persönlich, allerdings spricht man unter Bärtigen und Maskierten nicht über das Privatleben.

VPT: Hast du Kontakt zu anderen Superhelden?

ZMM: Ja natürlich. Früher gehörte ich sogar einem Superhelden-Team an. Nach einiger Zeit ging das allerdings zwischen Männern und Frauen nicht mehr gut, und so haben wir uns getrennt.

VPT: Wer waren denn deine Mitstreiter?

ZMM: Das fluktuierte. Zu den bis heute Bekanntesten zählen zum Beispiel der EINKAUFSTÜTENTRÄGERTYP, der MÜLLTÜTENSTOPFER und NASSE-HUNDE-ABTROCKEN-WOMAN. Auch der MAKIER-MAN war eine zeitlang im Team, damals noch als mein Auszubildender.

VPT: Was macht ZEICHEN-MACHEN-MAN in seiner Freizeit?

ZMM: Nun, eigentlich gibt es das Wort für mich gar nicht. In den wenigen Momenten, wo es für mich wirklich nichts zu tun gibt, gucke ich gerne Ampeln an, meine automatischen Brüder.

VPT: Mir sei die persönliche Frage gestattet: Gibt es eine Frau in deinem Leben?

ZMM: Auch dafür hat jemand wie ich leider keine Zeit. Beruflich helfe ich natürlich Frauen oft beim Einparken, und daraus ergibt sich schon die ein oder andere Bekanntschaft. Groupies sind unter Superhelden allerdings tabu. Das verstößt gegen den Ehrenkodex. Schließlich dürfen wir die Schwachheit der Menschen nicht ausnutzen.

VPT: Was sagst du zu den Vorwürfen des Doktor Thomas, er vermute eine dunkle Seite in deinem Leben und zu den Gerüchten, die deine Person in diesem Zusammenhang betreffen.

ZMM: Ich sage nur so viel: In jedem Leben gibt es ein Yin und ein Yang. Es gibt schwarzes Gaffer und es gibt weißes Gaffer.

VPT: Gibt es zum Abschluss noch etwas, das du unseren Lesern sagen möchtest? Hast du noch eine Botschaft?

ZMM: Ach, was sollte ich den Leuten schon sagen. Mir ist es lieber Botschaften von Angesicht zu Angesicht zu übermitteln. Ich denke, man muss die Zeichen des Lebens nicht nur sehen, sondern auch erkennen. Und dann löpp dat schon.

VPT: Vielen Dank ZEICHEN-MACHEN-MAN und alles Gute!

ZMM: Ich habe zu danken. Bis gleich auf der Bühne.


Bisbald, Euer Christoph

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